PROTOKOLLARISCHE RICHTLINIEN ÜBER DEN OFFIZIELLEN EMPFANG EINES EHRENGASTES
In Österreich gibt es genaue protokollarische Richtlinien über den Empfang eines Ehren- oder Staatsgastes. Trotz dieser Richtlinien haben sich im Laufe der Zeit in jedem Bundesland wieder eigene Gepflogenheiten eingebürgert, welche nicht unbeachtet bleiben dürfen. Die protokollarischen Abläufe in Tirol sind stark durch das Schützenwesen geprägt. In Tirol ist es üblich, dass bei größeren offiziellen Empfängen die Musik und die Schützenkompanie gemeinsam ausrücken. Die Aufstellung hat so zu erfolgen, dass am rechten Flügel die Musik steht, anschließend stehen Fahnenabordnungen, Schützenkompanie und andere Vereine.
Die Fahnenabordnungen können. wenn es nicht viele sind. nebeneinander. ansonst hintereinander stehen. Die Musik sollte sich womöglich nicht zu sehr in die Tiefe gehend aufstellen, sondern eher in einer breiteren Front (Siebener- oder Neunerreihe, je nach Stärke), wenn nicht ein anschließender Abmarsch gegen eine breite Front spricht.
Der zu empfangende Ehrengast sollte von rechts kommen. damit auch das Kommando "Rechts schaut" seinen Sinn behält.
Es ist folgende Reihenfolge einzuhalten:
     ANKÜNDIGUNGSSIGNAL
     MELDUNG
     HYMNE
     ABSCHREITEN DER FRONT
     EHRENSALVE
     ABBLASEN ODER ABMARSCH
Wenn der Ehrengast in angemessene Nähe kommt. ertönt zuerst das Ankündigungssignal. Der Trompeter (Flügelhornist) kann bei der Musik in der Einteilung bleiben (im 1.Glied) oder auch außerhalb der Einteilung an einer exponierten Stelle stehen.
     Ankündigungssignal
Abhängig ob es ein ziviler oder militärischer Ehrengast ist, gilt folgendes für das Ankündigungssignal.
1. Bei einem zivilen Ehrengast gilt folgendes Ankündigungssignal, wieviele Rufe und Stösse gespielt werden hängt vom Rang des Ehrengastes ab siehe weiter unten.
Diese Notierung ist für ein Signalhorn gedacht, welches nur Naturtöne hervorbringt. Mit einer B-Trompete (Flügelhorn) spielt man am besten die Signale in F-Dur.
Bundespräsident
3 ganze Rufe
3 doppelte Stöße
Fremdes Staatsoberhaupt
3 ganze Rufe
3 doppelte Stöße
Bundeskanzler oder Minister
2 ganze Rufe
2 doppelte Stöße
Landeshauptmann oder Landtagspräsident
1 ganzer Ruf
1 doppelter Stöße
Bischof
1 ganzer Ruf
1 doppelter Stöße
Alle übrigen welche im Rang niedriger sind
1 halber Ruf
1 doppelter Stöße
2. Bei militärischen Ehrengästen erfolgt stattdessen der erste Teile des Fußmarsches
Nach dem Signal erfolgen durch einen Kommandierenden (in der Regel ist es der Kommandant der Schützenkompanie. dem alle angetretenen Vereine unterstehen) die Kommandos:
     Kommandos
Ausführung
Musik
Kapellmeister
Stabführer / Musikmeister
Angetretene Formation „Habt Acht“(oder Musik und Schützenkompanie)
führt Kommando aus
führt Kommando aus
führt Kommando aus
Ehren (Schützen) Kompanie schultert
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Ehrenkompanie präsentiert
Instrumente vor die Brust nehmen
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Ehrenkompanie „Rechts Schaut“
Instrumente ansetzen
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Rapportstellung einnehmen
Der Kommandant. der zum Kommandieren in der Mitte der Front steht. geht nach dem letzten Kommando (Rechts schaut) dem Ehrengast entgegen. aber nicht weiter als ca. 5 Schritte vom rechten Flügelmann der Musik.
     Meldung
Die Meldung erfolgt durch den Kommandierenden:
z.B. Herr Bundespräsident, Schützenhauptmann Hofer meldet: Stadtmusikkapelle Kufstein, Fahnenabordnungen der Traditionsverbände, Schützenkompanie Kufstein und die Freiwillige Feuerwehr Kufstein zum Empfang angetreten!
Nach der Meldung macht der Kapellmeister eine Kehrtwendung. Sollte die Musik die Instrumente auf das Kommando des Schützenkommandanten nicht angesetzt haben, so gibt jetzt der Kapellmeister das Zeichen zum Ansetzen der Instrumente und beginnt mit der Hymne.
     Hymne
Zu spielen sind für:
den Bundespräsidenten
Bundeshymne
Ein ausländisches Staatsoberhaupt
Fremde Hymne und österreichische Bundeshymne
Bundeskanzler oder Minister
Bundeshymne
Fremder Bundeskanzler oder Minister
Fremde Hymne und österreichische Bundeshymne
den Landeshauptmann oder Landtagspräsident
Bundeshymne wenn aber während eines Festaktes die Bundeshymne erklingen sollte, so könnte beim Empfang auch die Landeshymne gespielt werden.
den Bischof
wie Landeshauptmann oder Landtagspräsident
  Abschreiten der Front
Nachdem die Hymne(n) erklungen ist (sind), wird zum Abschreiten der Front gespielt, wobei es drei Möglichkeiten gibt die davon abhängen, um welchen Ehrengast es sich handelt.
Bei Staatsoberhäupter (Bundespräsident, Ministerpräsident, Könige usw.) wird der Generalmarsch gespielt.
Und beim Insignientrupp bzw. Fahnentrupp immer Fahne „tief“.
Bei allen anderen Ehrengästen wird der Präsentiermarsch gespielt.
   
Dieser Marsch wird von der ganzen Kapelle gespielt.
2. Es spielt ein Bläser den Generalmarsch.
Dieser kann mit einem Signalhorn, einem Flügelhorn oder einer Trompete gespielt werden.
     Generalmarsch für Signalhorn
     Generalmarsch für Trompete (Flügelhorn)
3. Es spielen alle Trompeter und Flügelhornisten den Generalmarsch. Nach dem Abschreiten wird der Präsentier- oder Generalmarsch an       geeigneter Stelle abgebrochen. die Instrumente werden abgesetzt (vor die Brust). Der Kommandant der Schützenkompanie gibt das Kommando „Habt Acht“. Auf dieses Kommando beendet der Stabführer die Rapportstellung. der Kapellmeister dreht sich um (Rücken zur Musik).
     Ehrensalve
Es erfolgt eine Ehrensalve für den Gast.
Dazu bläst ein Trompeter vorher das Signal „Feuer“.
Nach dem Signal gibt der Schützenhauptmann die notwendigen Kommandos zur „General de Charge“. Es folgt nochmals ein Kommando „Rechts schaut“, dabei bläst ein Trompeter (es können auch Trompeten und Flügelhörner blasen) vier Takte des Generalmarsches.
     Abblasen oder Abmarsch
Nach folgender Zeremonie wird abgeblasen:
Signal "Abblasen"
Sollte ein Abmarsch erfolgen, entfällt das Abblasen.
     Empfang mit Musik OHNE Ehrenkompanie
Rückt eine Musik ohne Ehrenkompanie aus, so gibt der Stabführer sinngemäß die Kommandos zur Meldung.
     Horn (Trompeten)signale
Diese Signale sind bereits in jener Tonart geschrieben. In der sie üblicherweise mit einer B-Trompete (Flügelhorn) gespielt werden.
     Signal "Habt Acht"
     "Gebet"
     "Fußmarsch"
     "Zapfenstreich"